reflections

Im Zwielicht der Erinnerungen

Mit den letzten Einträgen habe ich bemerkt wie sehr Erinnerungen und Wirklichkeit miteinanderverschmelzen, wiesehr ich mehr mein aktuelles Leben hier in diesen Zeilen in den Vordergrund stellte, wobei dies im eigentlichen Sinne nicht der angestrebte Zweck dieses Tagebuches sein sollte sondern ich vielmehr die guten schönen Tage meiner Vergangenheit in meiner Online-Erfahrung wieder hervorholen wollte als sie durch die reellen Begebnisse wieder in diese allgegenwärtige Tristesse stürzen zu lassen, die ich seit gestern wieder wie einen Ballast auf meinen Schultern liegend spüre, und die Telephonate mit meinen Eltern mir mehr Sorgen, die ich unmöglich aussprechen kann weder vor mir selber noch vor meinen Großeltern, bereiten weswegen ich sie in Sätze verpacke und damit die Seiten eines ganz anderen Tagebuchs mit Ängstlichkeit befülle. Leider habe ich gemerkt wie sehr diese zwei Welten, die immer schon eine gewesen sind, miteinander kollidieren und auch ineinandergreifen, darum habe ich ab Heute beschlossen nur noch meine Einträge auf meine Online-Erinnerungen und –Erfahrungen von Damals zu beschränken und meine realen alltäglichen Erlebnisse einem anderen, meinem „privaten Tagebuch“ vorzubehalten welches hier sonst zuviel Platz einnehmen würde. Somit denke ich, es ist wohl die beste und klügste Lösung, da ich derzeit auch durch die jüngsten Geschehnisse zu durcheinander bin!

 

 

Der Vorteil von Online-Spielen, von den Charakteren – seinen virtuellen Vertretern – ist, daß diese niemals krankerden und selbst in frischesten Winterzeiten, in kältesten Regionen, bei programmierten Minusgraden, können die Polygonen-Alter-Egos nie einen Schnupfen oder Husten erhalten. Ganz zum Nachteil im echten Leben! Meiner Spielfigur kann ich daher bei eisigen Temperaturen ein bauchfreies Top mit weiten Ausschnitt anziehen lassen, auch kann ich sie in eine kurze Hose schlüpfen lassen, sie wird soweit es nicht vom Spiel gewollte oder unterstützt wird, keine Erkältung sich zuziehen. Das ist ein Vorteil, da ich selber im echten Leben derzeit bei eisigen Graden nur warm eingepackt das Haus verlassen kann, außerdem nur mit Schal, Mütze und Handschuhen. Das schneefeste Schuhwerk darf zu allem Überfluß natürlich auch nicht fehlen.

Wann immer wir krank geworden sind, egal ob Daisie oder ich, haben wir uns gegenseitig immer versorgt. Als wir klein gewesen sind ist jederzeit, ob Mama oder Papa in den Pflegeurlaub gegangen, und als wir schon erwachsen wurden konnten wir auch schon Mal einen Vormittag alleine bleiben. Nach der Hause bin ich dann immerzu blitzartig nach Hause geflitzt, um schnellstmöglich bei Daisie zu sein und meine Schwester – war ich mit kranksein an der Reihe – hat es ihrerseits genauso gehalten, hat ihre Hausaufgaben sofern ich nicht zu müde war und schlafen wollte, an meinem Bett gemacht und umgekehrt wollte ich auch in jedem Moment bei ihr sein. Wir haben es nie lange ohne einander ausgehalten.

Daisie habe ich dann frischen Tee gebracht, Erdbeer-Tee und Orange-Nuß, mochten wir neben Vanille-Erdbeere am Liebsten trinken.

Aus Rücksicht hat mich Daisie oft gebeten das Zimmer zu verlassen, wenn sie Schnupfen hatte, aber auch, der ich ihr in meinem Fall dasselbe riet wollte meine Schwester unmöglich mit der Grippe anstecken, aber wir hatten nie aufeinander gehört und eine Ansteckung in Kauf genommen.

„Wenn du dich ansteckst ist es deine alleinige Schuld“, sagte sie ein Mal durch die Nase als sie Schnupfen hatte. „Ich habe dir gesagt, du sollst rausgehen. Dann beschwer dich hinterher ja nicht bei mir, hörst du Schwesterchen“, hörte ich sie wie einen Frosch quaken und es klang lustig.

Natürlich, mochte ich nach ihr krankgeworden sein, nahm ich es meiner Schwester nicht übel, wie sollte ich auch. „Keine Sorge, solltest du mich anstecken, so habe ich wenigsten einen Grund mich von dir verwöhnen zu lassen, genauso wie ich es jetzt mit dir mache“, war meine alleinige Antwort darauf. „Außerdem, wer soll dich sonst mit Taschentüchern versorgen oder dir Geschichten vorlesen bist du eingeschlafen bist?“

Mit ihren aufgequollenen roten Grippeaugen sah mich Daisie dann an und meinte: „Ich mag es, wenn du mit verstellten Stimmen vorliest, das allein hindert mich schon am Einschlafen. Da kann ich gar nicht anders als dir zuhören weil es dabei immer so spannend klingt“, gestand sie mir.

Wenn unsere Eltern arbeiten gewesen sind, haben wir uns gegenseitig gepflegt, uns Tee gekocht, Taschentücher zugetragen, Essen gemacht und uns sonst aufgeheitert bis Mama mit frischer Medizin gekommen ist oder Papa mit mehr Teesorten zum Auswählen unterm Arm hereingekommen ist. Uns ist dabei nie langweilig geworden oder wir haben uns einfach zusammengekuschelt, ferngesehen und uns gegenseitig die Hand gehalten bis wir eingeschlafen sind. Meiner Schwester habe ich einen Kuß auf die Wange und einen Kuß auf die Kuß gegeben als wollte ich dadurch ihr Fieber senken oder die Grippeviren mir meiner Liebe vertreiben. Daisie hat es genauso gemacht als ich mit einer Erkältung ans Bett gefesselt dalag. Sie hat mich umarmt, ungeachtet dessen ob sie dabei selber krankwerden würde, dann gab sie mir einen Kuß auf die Stirn und einen lieben Kuß auf die Wange. „Werde schnell wieder gesund Schwesterchen“, flüsterte sie bevor ich dann letztlich eingeschlafen bin und mit ihren Küssen wunderhübsch zu träumen begann. Ihre Wärme hat gutgetan, sie hat mich beschützt, mich im Glauben unterstützt, daß ich nicht alleine auf der Welt bin und inmitten einer liebenden Familie hineingeboren worden bin. Mein Leben hätte nicht schöner sein können!

Wir haben uns auch gegenseitig vorgesungen, das wie ich noch, eine unserer selbsterfundenen, selbstgeschriebenen Lieder samt Melodien. Ob mit nur einem Summen oder auch mit improvisiertem Text, das war immer so schön. Wenn ich durchgeschwitzt wegen der Medikamente im Bett lag, mir immer heißer geworden ist, hat mir Daisie ihre Hand kühlend auf die Stirn gelegt und aus dem Stehgreif zu singen begonnen, ebenso wie ich es immer tat, wenn sie krank ans Bett gefesselt dalag. Zwar erinnere ich mich nicht mehr an alle Lieder aber ein paar Melodien habe ich behalten. Sie bewahre ich wie Schätze auf, ganz tief in meiner Brust, dort wo nur Daisie und ich sie hören können -, genauso wie zu jener Zeit!

Wann immer eine von uns schließlich gesund geworden ist, gab es Eiscreme, was ziemlich irrsinnig anmuten mußte, aber so war es bei uns Tradition und Brauch zugleich. Darum wußte ich, wann immer ich von der Schule heimkam, Daisie gerade am Eisessen war, daß ihre Grippe, Erkältung oder sonstige Krankheit überstanden war und ich mich daher keine weiteren Sorgen mehr zu machen brauchte. Oder Daisie, wenn sie durch die Tür kam, eine leere Eisschüssel, die ich extra für sie habe stehenlassen oder Mama bat, sie nicht fortzuräumen, bei der Spüle entdeckte, wußte auch meine Schwester, daß mein Fieber gesunken, ich übern Berg und das Gröbste überstanden war und die Freude war riesengroß.

Wir fielen uns in die Arme, lachten, waren überfroh weil eine von uns ihre fiese Krankheit überstanden hatte und bei Schwestern ist es normal, daß sie miteinanderfühlen, ob Freude oder Leid und ähnlich wie bei Zwillingen bestand auch bei Daisie und mir dieses innige Schwesternband!!!

 

 

Sogar in Online-Rollenspielen ist es möglich mitten in der bibberkalten, frostig-zittrigen Winterzeit an den sonnig-sandigen Strand zu gehen. Die Seele baumeln lassen, so heißt es doch, dazu die Beine ins Wasser tauchen und während draußen die Minusgrade am Fenster mit Schneeflocken und Januarwinden vorbeibrausen bekommt man in Videospielen schon mal einen lauschig-warmen Vorgeschmack auf den nahen Sommer.

Unsere Eltern haben uns auch an Seen mitgenommen und Sonntagsausflüge im Sommer waren immer besonders mit freudigen Erwartungen geknüpft, vor allem auch – jetzt mögen einige sicher zu kichern anfangen – als ich langsam fraulicher geworden bin, auch erwachsenere Badeanzüge brauchte aber lieber wie meine große Schwester mir Bikinis als Strandbekleidung aussuchen wollte, um nicht mehr als Kind gesehen zu werden. Mamas Meinung war immer dieselbe dazu, daß ich noch früh genug erwachsen werde, aber sie hatte auch keinen Einwand gegen mein Entscheidung, vor allem nicht wenn Daisie mir die Stange hielt und wir zuzweit Mama dazu bewegten mir meinen ersten richtigen Bikini zu kaufen. Das war aufregend, wieviel Zeit ich in der Boutique verbrachte habe ich vergessen. Papa hat mehrfach gelangweilt zu gähnen begonnen und gemeint wie man nur soviel Zeit beim Aussuchen eines Bikinis aufwenden kann. Mama hat ihn nur angelächelt und schnippisch gemeint: „Hinterher willst du doch auch zufrieden sein.“ Damals habe ich nicht verstanden, was Mama damit sagen wollte, doch als Daisie eine verlegene Schnute zog, kicherte, wußte ich, daß es offenbar sehr wichtig gewesen sein mußte. Heute weis ich es natürlich aber mit fast zwölf denkt man anders.

Schließlich suchte ich mir einen grünlichen Bikini aus, er gefiel mir und grün deswegen weil Daisie einen blauen Zweiteiler bevorzugte und ihn nach der Farbe ihrer Augen aussuchte, was ich natürlich auch tat und da meine Augenfarbe grün ist, war die Logik dahinter leicht erkennbar.

Als ich mit Daisie in der Kabine verschwand, zum damaligen Zeit zwar noch ein Bustier trug, sah Daisie schon in die Zukunft. „Es dauert nicht mehr lange und bald wirst du Körbchengröße A tragen und füllt das Oberteil richtig gut und sexy damit aus, mein liebes Schwesterherz.“

Daisies Oberweite war schon auf Körbchengröße A angewachsen, ich sollte ging es nach ihrer Vermutung, auch bald soweit sein und als sie mein Oberteil probierte gab sie mir schon einen Vorausblick wie ich in absehbarer Zeit ein ebenso hübsches Dekolleté besitzen sollte. (Natürlich sollte sie in einigen Monaten recht behalten aber zum damaligen Zeitpunkt war ich wegen meiner kleinen Brüste relativ unzufrieden und verdrießlich). Meine Schwester besaß immer eine tolle, wirklich sportliche Figur, und sie gehörte zu den Glückspilzen – ganz zum Neid einiger ihrer weiblichen Mitschülerinnen -, die ganz gleich was sie auch an Süßigkeiten kostete und schlemmte, sie blieb bei ihren knapp über vierzig Kilos. Diese Eigenschaft, diese guten Gene, haben wir von Mama vererbt bekommen. Daisie und ich quälten uns somit nie mit den mädchenüblichen Problemzonen herum. Und als ich mit der Zeit auch fraulichere Rundungen und Kurven bekam sah ich dennoch, daß Daisies Busen reizvoller wirkte. Trotz allem fand ich es spannend, sehr erwachsen, mir Bikinis und Höschen jenseits meiner vergangenen Kindergrößen auszusuchen.

Als wir in unsere neuen Höschen schlüpften, auch in unsere Oberteile, betrachteten wir uns nacheinander im Spiegel. „Wenn ich nicht aufpasse wirst du noch niedlicher als ich“, war Daisies Meinung dazu, worauf sie mich leicht in die Backe kniff aber ein tugendsames Lächeln trug. „Aber das geht schon in Ordnung und damit komme ich auch klar“, grinste sie beiläufig spöttisch. „Dann sind wir eben zwei super-niedliche Schwestern aber wehe du spannst mir mal den Freund aus, dann zieh ich dir irgendwann in der Öffentlichkeit die Hose bis zu den Knie runter, alles klar.“

Daisie schnippte mit den Fingern als wolle sie mir damit ein Signal oder eine Erinnerung, die ich nicht vergessen sollte, geben aber es war natürlich nur einer ihrer üblichen Scherze. Daisie hat mich nie lächerlich gemacht oder in der Öffentlichkeit bloßgestellt, ganz im Gegenteil, sie hat mich sogar vor Anderen in Schutz genommen weil sie es als Pflicht einer großen Schwester ansah und diese Verantwortung wollte sie übernehmen. Es hat mich immer stolz gemacht ihre Schwester zu sein, an jeden einzelnen Tag, weil wir wirklich alles miteinander teilen durften. Alles!

Daisie und ich gingen immer zusammen shoppen, ob Bikinis, BHs oder Unterwäsche aussuchen und was einige als kitschig empfanden - Höschen oder BHs mit verspielter Dekor aus Bändchen und Schleifchen – traf genau unseren Geschmack bis wir irgendwann auf Spitzenunterwäsche und Dessous umstiegen aber trotzdem nie gang diesen ungemeinen Niedlichkeitsfaktor aus den Augen verloren. Wir wollten erwachsen aber nicht zu erwachsen aussehen, das kommt von ganz alleine wie Mama uns immer wissen ließ und damit hatte sie völlig recht behalten.

Irgendwann sahen wir wieder Unterwäsche mit der pink-putzigen HELLO-KITTY abgedruckt, worauf wir gleich ansprangen, und dann fragte mein erwachsenes Ich meine große Schwester: „Was denkst du werden wir in zehn Jahren immer noch solche Unterwäsche tragen wollen?“

Daisie sah mich mit freien Oberkörper inmitten der überbeleuchteten Kabine an und hielt das Oberteil vor ihre gewölbte Brust. „Weis nicht“, überlegte sie ganz ernsthaft als müßte sie es gründlich überdenken aber dann fand sie anscheinend die alles entscheidende Antwort auf meine Frage: „Wahrscheinlich werde ich in zehn Jahren von Katzen auf Pinguine umsteigen.“ Einige Sekunde behielt sie ihre gespielt starre Miene bei bis sie plötzlich in ein heiteres Gelächter ausbrach und ihre scherzhafte Äußerung bis zu mir durchdrang. Daraufhin stimmte ich auch in ihr Lachen ein!

 

 

(Am Sonntag hat GOOGLE meinen Account gesperrt, wie zuvor HOTMAIL mich blockte, worauf ich keine Antwort weis aber ich habe sofort als ich es merkte ein neues Konto bei GOOGLE angelegt, mich registriert und natürlich auch verläßlich Alexa Bescheid gegeben, obgleich ich seit Tagen keine Zeile von ihr Lesen durfte -, ich hoffe, es geht ihr gut? Meine wieder-neue E-mailadresse habe ich Alexa zukommen lassen und sie sollte sie inzwischen erhalten haben, obwohl sie mir keine Antwort schrieb. Wahrscheinlich, davon gehe ich aus, hat sie mit ihrem eigenen Leben und privaten Dingen, auch weil jetzt die Schule samt Alltagsstreß wieder beginnt, mehr um die Ohren als sich um eine Brieffreundschaft zu kümmern. Trotzdem, mögen es auch nur wenige Briefe gewesen sein, habe ich sie allesamt in jedem Wort genossen und wer weis, vielleicht findet Alexa zwischendurch auch wieder eine freie Minute, um mir eine Mail zukommen zu lassen. Das würde mich doch freuen, sehr sogar!)

 

 

 

 

 

 

10.1.17 16:04

Letzte Einträge: Alltägliche Herausforderungen, Im Wandel der Perfektion, Der beste Freund des virtuellen Ichs!, Mal gewinnen, mal verlieren!, Online-Feste, Shows & Events, Schwesterherz an Schwesterherz!

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